Das Festival der Wellen-Akrobaten
Die Elite der Surfer trifft sich beim Weltcup vor Westerland - 150 000 Zuschauer werden am Brandenburger Strand erwartet
"Je radikaler die Bedingungen, desto besser für mich" - der Satz klingt
nach jugendlichem Angriffsschwung und stammt doch von einem alten
Strategen: Bernd Flessner ist mittlerweile 36 Jahre alt und noch immer
Deutschlands bester Surfer. Das bewies er erst unlängst bei den
nationalen Meisterschaften vor Westerland, als er in der
Over-All-Wertung überlegen seinen zehnten Titel einfuhr und dazu noch
zwei Einzelsiege errang. Die gute Form Flessners läßt hoffen für den
22. Worldcup auf demselben Revier: Das Sylter Glamour-Event beginnt am
kommenden Freitag und dauert bis zum 3. Oktober.
Die besten Windsurfer der Welt treffen beim Nivea World Cup in den
Disziplinen Wellenreiten und Slalom 42 aufeinander. Elf Tage lang
kämpft die Elite der Brettsegler bei einem der größten
Wassersportereignisse auf dem Globus um Weltranglistenpunkte und ein
Preisgeld von insgesamt 105 000 Euro. Am Finaltag wird der neue
Weltmeister in der Welle gekürt. Längst ist das Spektakel für viele
Menschen Anlaß, Ende September einen Kurzurlaub auf Deutschlands
Nobelinsel einzuplanen, um die Akrobaten bei waghalsigen Manövern zu
bestaunen.
Beim Wellenreiten freilich macht Flessner keine Chancen geltend. Er
gehört zur aussterbenden Spezies von Surfern, die noch sämtliche
Disziplinen trainiert und im Wettkampf betreibt: "Das hat den Vorteil,
daß ich nicht wie viele andere Gefahr laufe, die meiste Zeit an Land
herumzusitzen." Der Nachteil liegt darin, daß es für die Allrounder
immer schwieriger wird, mit den Spezialisten mitzuhalten. Aber sobald
der Wind bläst, ist "Flessi" im Einsatz.
Ebenso ergeht es Björn Dunckerbeck. Der für Spanien startende
Niederländer, der 33 Weltmeistertitel in verschiedenen Klassen holte,
betreibt den Sport inzwischen allerdings nicht mehr mit dem unbändigen
Siegeswillen seiner besten Jahre. Auf die Nordseeinsel kommt er seit
jeher gern: "Sylt ist sportlich immer wieder eine besondere
Herausforderung. Die vielen Zuschauer machen diesen Weltcup zu einem
ein- maligen Ereignis."
Rund 150 000 Schaulustige werden auch diesmal wieder erwartet. Die
meisten von ihnen dürften zwar nur über geringes Fachwissen verfügen,
gleichwohl aber das besondere Flair der "Mutter aller Funsportarten"
schätzen. Erleichternd kommt hinzu, daß von den Zuschauern kein
Eintrittsgeld erhoben wird, sieht man ein- mal von der ohnehin
obligato- rischen Kurtaxe ab.
Deutsche Starter haben nach den Eindrücken der vergangenen Jahre den
Anschluß an die Weltspitze längst verloren. Flessner beispielsweise
belegte im vorigen Jahr auf Sylt bei der damals ausgetragenen "Formula
Racing" Rang 27, Andy Laufer aus Konstanz wurde 20., während bei den
Damenkonkurrenzen gleich gar keine Deutsche an den Start ging.
Diesmal wollen Andrea Hausberg und Steffi Wahl an die glorreichen
Zeiten von Jutta Müller und der Hamburgerin Andrea Hoeppner anknüpfen.
Die Stärken der 27jährigen Kielerin Wahl liegen im Wave-Riding, auf das
sie sich spezialisiert hat und in dem sie zu den Besten der Welt zählt.
Nachdem Wahl ihr BWL-Studium erfolgreich durchgezogen hat, will sie nun
noch einmal angreifen. Die absoluten Stars der Szene, die spanischen
Schwestern und Weltranglisten-Führenden im Wellenreiten, Daida und
Iballa Ruano Moreno, wird sie allerdings nicht beeindrucken können. Die
beiden triumphierten schon 2004 in Westerland.
|